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migration

Manche verlassen ihr Land aus Armut, andere fliehen vor einer Diktatur, politischer Verfolgung oder einem autoritären Vater, entziehen sich einer unglücklichen Ehe; andere wiederum kommen aus Abenteuerlust, zum Studium oder aus Liebe.
Gründe für Migration gibt es unzählige. Am Anfang kamen die Italiener – das war 1955, das Wirtschaftswunder-deutschland brauchte Arbeitskräfte. Deutschland und Italien unterschrieben als erste ein Anwerbeabkommen über die ,Gastarbeiter’. Später kamen die Spanier, Portugiesen, Griechen, Türken, Jugoslawen und viele mehr: Der Beginn der großen Arbeitsmigration im Nachkriegseuropa. In den folgenden Jahrzehnten wanderten – und wandern – Menschen aus allen Kontinenten, aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland ein…

über das migration-audio-archiv

Migrationsgeschichten und -Geschichte – Das migration-audio-archiv ist eine Sammlung von hörbaren Migrations-geschichten – und zugleich erzählter Migrationsgeschichte. In dem wachsenden Audioarchiv werden Migrationsgeschichten, die Geschichten der Migranten, für die Öffentlichkeit ‚aufgehoben' und erfahrbar gemacht. Veröffentlicht werden die Erzählungen des migration-audio-archiv von Projektbeginn – einer Phase von 2000-2004 –  an vor allem auf drei Arten: In Kooperation mit dem Medienpartner WDR wird eine Vielzahl der erzählten Migrationsgeschichten im Hörfunk gesendet. Im ,audioweb' – auf dieser Website – sind die Erzählungen hörbar. 'Gestreamt' – in einer umfangreichen, interaktiven Text- und Bildumgebung und in herausragender Tonqualität. In den audiolounges, in ,intelligenten Hörmöbeln', sind die Erzählungen an zahlreichen Orten, begleitend zu Ausstellungen und Kongressen oder als eigenständige Installationen, zu hören und zu erleben Mittlerweile fast 150 – einhundertundfünfizg – Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft erzählen ihre Geschichte: Wie und warum sie nach Deutschland gekommen sind, wie sie empfangen und aufgenommen wurden – und wie sie sich zurechtfanden und -finden.
Sie erzählen damit auch immer ein Stück Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; Geschichte, Migrationsgeschichte, Sozialgeschichte, Alltags- und Kulturgeschichte; subjektiv, persönlich, authentisch – ununterbrochen sowie tontechnisch, dramaturgisch und erzählerisch in bester Hörfunkqualität.  Die Erzählenden haben ihre Länder aus den verschiedensten Gründen verlassen.
Sie erzählen über die Ursachen und Motive ihrer Emigration oder Flucht –wirtschaftliche, politische und persönliche. Welche Vorstellungen von Deutschland hatten sie, was waren ihre ersten Eindrücke, wo gingen die Kinder zur Schule, welche Arbeiten haben sie verrichtet, wo haben sie gewohnt und ihre Lebensmittel eingekauft, wie war der Kontakt zu den Deutschen …?

das besondere format audio

Die Lebensläufe, lebensgeschichtlichen Details und Biografien, sind durchgehend selbsterzählt. Hörbar sind einzig die Stimmen und die Geschichten der Erzählenden.
Es entfallen – absichtsvoll – die, vor allem im Radio und Fernsehen üblichen, ‘formattypischen Elemente’ – hörbaren Fragestellungen, Autorentexte, (Zwischen)Moderationen sowie musikalische Untermalungen oder ,Inseln’.
Im gesprochenen Wort vermitteln sich Atmosphäre und Stimmungen, Witz, Tragik, Freude, Anstrengung und Leichtigkeit der Erinnerung – in allen Facetten und Zwischentönen sehr viel deutlicher als etwa in schriftlicher Form. Das gesprochene Wort – die Stimmen der Erzählenden – machen auf einzigartige, fast unwillkürliche Weise aufmerksam und erleichtern Empathie, emotionale Teilhabe.
Sie erleichtern auch einem größeren Publikum, gewissermaßen aus ‚erster Hand’, Migrationsgeschichte und Geschichten zu erfahren, so wie sie bisher in dieser Form und in diesem Umfang noch nicht veröffentlicht wurden. Die Erzählungen sind jeweils circa 30 – 45 Minuten lang und in einem durchgehenden Erzählfluss, ohne Unterbrechungen, zu hören. Die ursprünglichen Interviewgespräche sind oft vielfach länger. In der sorgsamen und erfahrenen Nachbearbeitung werden sie gekürzt, etwaige Zwischenfragen herauseditiert und auf wesentliche Aspekte der Erzählung verdichtet. Das gesprochen Deutsch der Erzählungen ist mindestens gut verständlich; weitestgehend, aber nicht immer – gerade die unterschiedlichen Akzente, die Stimmen sowie die sprachlichen Eigenheiten und Neuschöpfungen zeigen, wie man sich auch in der deutschen Sprache individuell einrichten und zurechtfinden kann und muss.
Die Lebensgeschichten werden in deutscher Sprache erzählt, zu einem kleineren Anteil auch auf ‘nicht-muttersprachlich-Deutsch’ – in der jeweiligen Herkunftssprache (Türkisch, Italienisch, Arabisch, Serbisch, Kroatisch, Russisch, Polnisch, Spanisch, Portugiesisch, Persisch, Griechisch, Chinesisch, Französisch …). Damit werden – auch als Erzählende – weitere Kreise angesprochen, vor allem eben jene, die – aus welchen Gründen auch immer – kaum oder kein Deutsch sprechen, die aber Teil der Lebenswirklichkeit und der ‘Erzählungen’ in Deutschland sind. In besonderen Fällen kommen ,Voiceovers’ zur Verwendung – deutsche ‚Synchronstimmen’ – und beim Ausstellungen, Installationen, audiolounges bildschirmgestützte ‚Untertitel’. Zudem sind die Erzählungen in dieser Form und diesem Umfang einzigartige historische Quellen. Das migration-audio-archiv erschliesst hiermit im Kontext Migration sowie Oral History auch in Forschung bis Publizistik wichtige Bereiche.

Facetten der Migration

Arbeitsmigranten (die sogenannten Gastarbeiter aus Südeuropa, Asiaten in Pflegeberufen und aus der IT-Branche, Inhaber der Green Card …) Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge Politische Flüchtlinge (zum Beispiel nach einem Militärputsch) Wirtschaftsflüchtlinge Flüchtlinge aus religiösen Gründen Umweltflüchtlinge (Weltweit existieren – unter dem von der UNESCO anerkannten Begriff – geschätzt rund 25 Millionen Umweltflüchtlinge und die Zahl wird in den nächsten Jahrzehnten weiter ansteigen. Sie verlieren ihre Heimat oder ihre wirtschaftliche Grundlage in Folge von Umweltzerstörung, Wüstenbildung, häufigen Überschwemmungen, Landschaftsverbrauch, radioaktiver Verseuchung, Staudammprojekten …) Exilanten (politisches Exil, zum Beispiel aus Chile, Argentinien, Iran …) Zuzug aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten (die größte Einwanderergruppe der letzten Jahre stammt aus Osteuropa – größtenteils aufgrund der großzügigeren Einreisebedingungen durch die fortschreitende EU-Erweiterung, aber auch immer noch durch den Nachweis deutscher Vorfahren) Jüdische Einwanderung aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion Studierende aus aller Welt Familienzusammenführung (Heirat, Kindernachzug u.Ä.) …

ziele des maa

den vielen Facetten der Migration in der Öffentlichkeit Stimmen geben die Geschichte der Bundesrepublik um die Perspektive der Migranten bereichern und bisher weitgehend unbeachtete Aspekte der bundesrepublikanischen Geschichte aufzeigen Geschichte sinnlich erlebbar machen und vermitteln Menschen ausführlich zu Wort kommen lassen, über die bisher viel gesprochen wurde, die aber – zumal in der Medienöffentlichkeit – selten selbst zu Wort gekommen sind. Kommunikation und Diskurs anregen durch die Publikationen, Ausstellungen, Internetpräsenz und Hörfunksendungen Impulse geben, die die Kommunikation auch innerhalb der ‘Communities’, der Migrantenszene anregt, zum Beispiel zwischen den Generationen: Die wenigsten Jugendlichen, etwa Kinder der ‚ersten Gastarbeitergeneration’, wissen z.B. welchen Mut es brauchte, in den 60er-Jahren das Herkunftsland zu verlassen. Angebote schaffen für ‚multikulturelle Medienerziehung’ und zur Förderung von ‘interkultureller Kompetenz’,
etwa in Form von Workshops für Kinder und Jugendliche, Seminaren für Studierende und Lehramtsanwärter/innen hierfür Projektentwicklung im Kontext Museum, Kunst- und Kultur institutionen sowie Bildungsinstitutionen wie Schule und Universität Herstellung und Verbreitung von Lehr- und Unterrichtsmaterialien Vernetzung vielfältiger Art

Ausstellungserlebnis: Hör-/Raum im Raum

Zum Ausstellungsprogramm des migration-audio-archiv gehört der Einsatz der kompakten Ausstellungsumgebungen, der ‘audiolounges': hervorragend geeignet im Kontext Kongresse, Festivals, Messen, ausstellungsbegleitend sowie als Programmbestandteil; ,Intelligente Hörmöbel’ – mobile Ausstellungsmodule, skulpturale Sitzelemente, mit einfachster, individueller Steuerung und besonderem akustischen Erlebniswert.  Inhalt und Programm der audiolounges sind die Erzählungen des maa – zur einfachen und individuellen Steuerung durch die Besuchenden; in herausragender akustischer Qualität (bei akustischer Abgeschlossenheit – nach innen und aussen!) und mit begleitenden Bildschirmelementen, wie Zwischentexten und begleitende biografische Fotos. Die Auswahl der Erzählungen kann auf Wunsch angepasst werden, etwa an spezifische Themen im Kontext Migration; stichwortartig z.B. Frauen, Vorbild, Flucht, Sprache…

Das Team des migration-audio-archiv bietet zudem ein umfangreiches Spektrum an Expertise in Bereich Projektpräsentationen, Workshops bis zur kuratorischen und gestalterischen Ausstellungskonzeptionen.
Für den Ausstellungsbetrieb sind mehrere audiolounges verfügbar.
Die audiolounges können auch – etwa als begleitender Teil einer größeren Ausstellung oder Veranstaltung, sowie als permanente Einrichtung, individuell konfektioniert werden.

initiale förderung

Die Idee der langfristigen Arbeit des migration-audio-archiv wurde – anfänglich – in den Jahren 2004-2006 – insbesondere durch die umfangreiche finanzielle Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, Bonn ermöglicht. Im weiteren durch das Engagement des WDR, Westdeutscher Rundfunk, sowie die Unterstützung und Administration durch EXILE-Kulturkoordination, Essen. Diese Stufe deranfänglichen Aufbauphase ist mit dem Jahr 2006 abgeschlossen. Das Kernteam um die Initiatoren Sefa Inci Suvak und Justus Herrmann führt die Arbeit des migration-audio-archiv fort – als geschäftsführende Gesellschafter der xident gbr sowie als geschäftsführender Vorstand des migration-audio-archiv e.V. Für den langfristigen Bestand und die Fortentwicklung des migration-audio-archiv, das heißt vor allem für weitere Recherche, Aufarbeitung und Sicherung der Migrationsgeschichte – und der biografischen Erzählungen mit Mitteln und Methoden der Oral History – sowie deren Publikation, erweiterte Ausstellungs– und Veranstaltungsprogramme, weitere  Forschung und Vermittlungsprogramme soll langfristig auch ein Stiftungskonzept entwickelt werden. Bis dahin arbeitet das migration-audio-archiv in zahlreichen Einzelprojekten in Kooperationen mit Stiftungen, Verbänden, Institutionen mit viel Engagement und umfangreichen Eigenmitteln.